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Wirtschaftlichkeit des Schienenverkehrs in Deutschland, Österreich und der Schweiz PDF Print E-mail
Wednesday, 31 May 2006

A. Deutschland

Die Situation der Deutschen Bahn ist zur Zeit eine besondere, da bis September 2006 von der Politik entschieden werden soll, ob die Deutsche Bahn AG mit oder ohne Schienennetz an die Börse gehen soll. Der Vorstand der DB AG ist in den politischen Kreisen unterwegs, um die Entscheidung für den gemeinsamen Börsengang zusammen mit dem Netz zu werben. Daher ist auch die Bilanz der DB AG im Jahr 2004 und auch im Jahr 2005 mehr als geschont und unübersichtlich.

Die Struktur der DB AG ist aufgeteilt in mehrere Geschäftsfelder nach der Tätigkeit: der Fernverkehr ist als eigene Sparte, der regionale und städtische Verkehr, der Güterverkehr, das Netz, die Personenbahnhöfe, Dienstleistungen und die Energie.

Die Aufspaltung hauptsächlich bei dem Personenverkehr ist wahrscheinlich in Hinsicht auf die groszügigen Subventionen der Länder und des Bundes durchgeführt worden.

So ist der Fernverkehr ohne Subventionen des Landes unterwegs. Das Segmentergebnis war mit 50 Mio. € (EBIT) im Jahr 2005 sicherlich besser als mit -331 Mio.€ im Jahr 2004, aber trotzdem im Vergleich zum Umsatz von 3.068 Mio. € sehr klein. Es bedeutete bei einer Gesamtpassagierzahl von 118,7 Mio. einen Umsatz pro Reisenden von ca. 26,- €.

Der Stadtverkehr bedeutet neben dem Betreiben von bestimmten Bahnverbindungen innerhalb der Stadt auch den Busverkehr, den die Bahn im Auftrag betreibt. Dieses Geschäftsfeld erwirtschaftete im Jahr 2005 1.708 Mio. € nach 1.688 Mio. € im Jahr 2004. Einen Teil von 297,7 Mio. € im Jahr 2005 und 289,1 Mio. € im 2004 ist durch die so genannte Bestellungen der Länder und Gemeinden zustande gekommen. Es handelt sich also um Subventionen der Länder. Trotz dieser Subventionen erwirtschaftete dieses Geschäftsfeld einen relativ kleinen Segmentergebnis (EBIT) von 115 Mio. € (6,7 %) im Jahr 2005 nach 106 Mio. € (6,27 %) im Jahr davor. Der Durchschnittsumsatz pro Passagier ist ca. 2,7 € ohne Subventionen. Mit Subventionen ist er 3,26 €.

Den größten Gewinnbringer besitzt die DB AG bislang im Geschäftsfeld Regioverkehr. Es handelt sich um die regionale Bahn, die auch als Zubringer für den Fernverkehr fungiert. Dieses Geschäftsfeld hat im Jahr 2005 einen Segmentergebnis von 554 Mio. € (8,58 %) nach 508 Mio. € (7,89 %) im Jahr 2004 bei einem Umsatz von 6.452 Mio. € und 6.437 Mio. € (EBIT). Als Gewinnbringer kann man diese Sparte aber nur durch die groszügigen Subventionen der Länder in der Höhe von 4.239,7 Mio. € ! bezeichnen. Ein Durchschnittsumsatz pro Passagier ist ohne Subventionen niedriger als beim Stadtverkehr und beträgt 1,89 €. Erst mit den großen Subventionen der Länder und des Bundes steigt der Durchschnittsumsatz auf 5,50 €.

Deutsche Bahn - Traffic performance in Mio. Pkm

Insgesamt erwirtschaftet die DB AG nur 35% der Gesamterlöse in dem Personenverkehr. 49 % des Umsatzes erwirtschaftet die DB AG im Güterverkehr mit den Gesellschaften Railion, Schenker und Stinnes. Das Segmentergebnis ist aber im gesamten Güterverkehr sehr schlecht und beträgt nur 2,18 % (EBIT).

Der restliche Umsatz wird erstens in der subventionierten Sparte Netz (4019 Mil. € Investitionszuschüsse 2005 = 62.121,- € pro 1 km des Netzes) erwirtschaftet. In Deutschland beteiligte sich 2004 der Staat mit 3.987 Mio. € an den Investitionen in den Netz. Im Jahr 2005 sind es 4.019 Mio. €. Nach der zukünftiger Vereinbarung sollen diese Investitionen nicht unter 2.500 Mio. € pro Jahr senken. Die hochprofitablen Sparten Personenbahnhöfe, Dienstleistungen und Energie erwirtschaften zwar nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes des Konzerns, sind aber mit einem Segmentergebnis (EBIT) von ca. 47 %, 103 % und 47,3 % im Verhältnis zum Außenumsatz die profitabelsten Sparten der DB AG.

Deutsche Bahn AG - External turnover

Die Deutsche Bahn AG soll, wie schon erwähnt, im nächsten Jahr an die Börse gehen. Die Akquisition der neuen Investoren hat schon längst begonnen und die Vorbereitung ist im vollen Gange. Nach Meinungen mehrerer Experten aber ist die DB AG noch nicht „börsenreif“. Im Vergleich zum gewaltigen Umsatz erwirtschaftet die Bahn relativ niedrige Gewinne und hat noch immer viele ungeklärte Schnittpunkte mit dem Staat. So ist ein erfolgreicher Börsenstart und auch die langfristige Bewertung nur mit weiteren groszügigen Subventionen des Staates möglich. Somit ist sehr umstritten, ob der Erlös an der Börse für die staatlichen Anteile na der DB AG überhaupt höher sein wird als die nachfolgenden jahrelangen Subventionen in den Netz und den Personenverkehr.

Deutsche Bahn AG - EBIT 2005

B. Österreich

Österreichische Bahn hat in der Zeit der Ausfertigung dieses Vergleichs den Geschäftsbericht für 2005 noch nicht veröffentlicht.

Das Geschäft der Österreichischen Bahn ist nach einer Reform im Jahr 2004 ab dem Jahr 2005 in mehrere Geschäftsfelder mit einzelnen Gesellschaften unterteilt. In Personenverkehr, Güterverkehr, Infrastruktur, Infrastruktur Bau ( Planung, Bau, Finanzierung und Anlagenmanagement ), Traktion (Züge), Technisches Service, Immobilienmanagement und Dienstleistung.

Die ÖBB-Personenverkehr AG tritt seit 1. Januar 2005 als eigenständige Aktiengesellschaft am Markt auf und ist aus dem früheren Geschäftsbereich Personenverkehr der ÖBB hervorgegangen. Im Jahr 2004 hat die ÖBB insgesamt 433 Mio. (278 Mio. im Jahr 2003) Passagiere befördert, davon 27 Mio. im Fernverkehr, 161 Mio. im Regionalen Verkehr und 245 Mio. mit Bus (die ÖBB betreibt neben Schiene noch die Gesellschaft Postbus GmbH). Nach den ersten Zahlen für 2005 sollen gesamt mit ÖBB 437,4 Mio. Passagiere gefahren sein, davon 244,8 Mio. mit Bus, 28 Mio. im Fernverkehr und 163,6 Mio. im regionalen Verkehr.

Nach der Präsentation auf der Bilanzpressekonferenz für 2005 hat die ÖBB Subventionen für 2004 von rund 562 Mio. € erhalten verbucht als sog. genannter Gemeinwirtschaftlicher Auftrag. Nach dem Jahresabschluss 2004 waren es ca. 604 Mio. €. Diese Subventionen waren zu ca. 20 % für Personenverkehr und 80% für Güterverkehr geplant. Genauere Anwendung ist jedoch schwer zu prüfen. Aus der Präsentation ist zu erkennen, dass für das Jahr 2005 ca. 556 Mio. € Subventionen gezahlt worden sind. Genauerer Jahresabschluss liegt jedoch noch nicht vor. Diese sollen zu ca. 14 % für den Personenverkehr genutzt worden sein.

Daneben hat die ÖBB für Personenverkehr im Jahr 2004 Erträge in Höhe von 563 Mio. € erwirtschaftet. Dies würde einen Durchschnittsumsatz pro Passagier von ca. 2 € bedeuten, mit Subventionen von ca. 2,35 €.

Im Jahr 2005 sollen die Erträge im Personenverkehr nach den ersten Zahlen 659 Mio. € sein.

ÖBB - External turnover 2005

Erst durch die Aufteilung der Geschäftsfelder in einzelne AG´s wird es aus den genauen Jahresabschlüssen der Gesellschaften zu erkennen sein, wie wirtschaftlich einzelne Geschäftsfelder sind. Bislang kann nur der Ergebnis der ÖBB Holding geprüft werden (EBIT) i.d.H. von -129 Mio. € im Jahr 2004 nach +98 Mio. im Jahr 2003. Im Jahr 2005 sollen es +266 Mio. € sein.

Weitere Subventionen hat die ÖBB für den Ausbau der Infrastruktur im Jahr 2004 erhalten in Höhe von 1.174 Mio. € nach 974 Mio. € im Jahr 2003. Nach den ersten Zahlen sollen es 1.006 Mio. € für das Jahr 2005 gewesen sein.

Die Gesamtleistung der ÖBB auf Schiene war im Jahr 2004 8.470 Mill. Passagierkilometer.

C. Schweiz

Die Schweitzer Bahn SBB ist auch in mehrere Geschäftsfelder aufgeteilt. Es handelt sich um Personenverkehr, SBB Cargo, Infrastruktur und Immobilien.

Die SBB hat im Jahr 2005 insgesamt 4.548 Mio. € erwirtschaftet und nach der Bilanz ist als Ergebnis ein Minus von -106,7 Mio. € nach einem Plus in 2004 von 275,9 Mio. €.

Vom Konzernumsatz kommen 1.332 Mio. € aus dem Personenverkehr nach 1.211 Mio. € im Jahr 2004. Vom genannten Umsatz betragen die Subventionen des Landes für Personenverkehr 636,6 Mio. € nach 404 Mio. € in 2004. SBB Personenverkehr hat ein Ergebnis (EBIT) von 85,3 Mio. € nach 126 Mio. € in 2004.

SBB - Traffic performance in mio. Pkm

Im Jahr 2005 sind mit SBB 257,9 Mio. Personen gefahren nach 253,4 Mio. im Jahr davor.

Insgesamt erwirtschaftet die SBB nur 29% der Erträge mit Personenverkehr. Die restlichen Teile sind Güterverkehr mit 13,5 %; Miet-, neben- und übrige Erträge mit 21%; Abgeltungen und Eigenleistungen mit 18% und besonders die Subventionen des Staates für Infrastruktur mit17%. Der Staat beteiligte sich 2005 mit 769,6 Mio. € im Jahr 2005 nach 862,5 Mio. € in 2004 am Ausbau und Erhalt der Infrastruktur der Bahn.

D. Fazit

Um die Deutsche Bahn AG, die Österreichische Bundesbahn und die Schweitzer Bundesbahn miteinander vergleichen zu können, können die mehrere quantitative Kriterien gestellt werden.

Die nicht wirtschaftlichen Kriterien sind:

  1. Passagierzahl zu Einwohner des Landes

Passagiere im Jahr 2004 in Verhältnis zu den Einwohnern des einzelnen Landes. Nach diesem Kriterium wäre die Österreichische Bundesbahn mit 47,16 % im Verhältnis die erfolgreichste Bahn in diesem Vergleich (um Vergleich zu ermöglichen, wurden Daten aus dem Jahr 2004 benutzt, da aktuelle Daten der ÖBB für 2005 noch nicht vorliegen):

Passengers of country Rail company in comparison to the inhabitans of the country

  1. Verkehrsleistung zu Betriebslänge des Netzes

Um Vergleichbarkeit der Verkehrsleistung (unterschiedliche Länderfläche) zu ermöglichen kann die Leistung in Mio. Personenkilometer in Verhältnis zu der Betriebslänge des Netzes im einzelnen Land gesetzt werden. Danach hat die SBB die größte Verkehrsleistung im Personenverkehr.

raffic performance in Mio. Pkm (Person-kilometer) per 1 km Network

  1. Fahrten mit der Bahn pro Einwohner

Genauso beim Durchschnitt der Fahrten im Jahr 2004 pro 1 Einwohner kann die SBB die größte Beliebtheit aufweisen.

rips with the train per 1 country inhabitant in 2004

Die wirtschaftlichen Kriterien sind:

  1. Durchschnittsumsatz der Bahngesellschaft pro 1 Passagier.

Danach kann die Deutsche Bahn AG mit und auch ohne Subventionen pro Passagier das meiste Geld erwirtschaften.

Average turnover per 1 passenger  (€)

  1. Umsatz zu Verkehrsleistung - Umsatz pro 1 Personenkilometer

Nach diesem Kriterium ist die Deutsche Bahn AG auch die wirtschaftlichste Gesellschaft.

Turnover for 1 Pkm (Person-kilometer as traffic performance) of concretelly Rail company without and with State subsidies in €

Nach den nicht wirtschaftlichen Kriterien ist die Schweitzer Bahngesellschaft SBB die am erfolgreichste Bahn in diesem Vergleich. Ihre Kunden fahren am häufigsten im Jahr, sie hat die größte Verkehrsleistung und im Verhältnis zu EW von Schweiz und fast 42 % der Bevölkerung hat iim Jahr 2005 die Bahn genutzt. Die hohe Akzeptanz der Bahn in Österreich und Schweiz im Vergleich zu Deutschland kann auch durch die fehlende Autobahngebühren in Deutschland erklärt werden.

Was jedoch die Wirtschaftlichkeit des Betriebes angeht, erzielt die Deutsche Bahn AG den meisten Umsatz pro Kunden und auch pro Verkehrsleistung in Pkm. Es ist aber auch für die Deutsche Bahn AG schwer aus diesem Vorsprung einen klaren Wirtschaftsgewinn zu erzielen. Grundsätzlich kann behauptet werden, dass mehrere Faktoren den kleinen Gewinn der Bahngesellschaften beeinflussen:

  1. Die geringe Flexibilität der schnellen Anpassung der Löhne und Gehälter der noch staatlichen Gesellschaften.
  2. Teuerer Unterhalt der hochtechnisierten Netze und hohe Investition in den Ausbau von neuen Strecken.
  3. Grosse Konkurrenz des Autoverkehrs zum Personenverkehr und des LKW-Verkehrs zum Güterverkehr.

Aus einer Studie der dashconsult GbR, 2006
 
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