Polnische Währung eilt von einem Hoch zum nächsten


REINHOLD VETTER

HANDELSBLATT, 14.10.2004

WARSCHAU. Der Zloty bricht alle Rekorde. Mit einem Kurs von 4,30 zum Euro erreichte die polnische Währung in dieser Woche die beste Notierung seit 17 Monaten. Der aktuelle Kurs von 3,49 zum Dollar bedeutet sogar ein Fünfjahreshoch. Warschauer Analysten gehen davon aus, dass vor allem die Nachfrage ausländischer Investoren den Kurs hochtreibt. "Seit Tagen sind Londoner Banken auf unserem Markt aktiv", schrieb die Tageszeitung "Rzeczpospolita". Der Verkauf von Staatsbonds im Wert von 2,6 Mrd. Zloty am Mittwoch war ein voller Erfolg.

"Zum Jahresende wird der Kurs des Zloty zum Euro 4,20 betragen", schätzt Tomasz Zdyb von der Bank Pekao. Die Analysten führen die Stärkung der Währung besonders auf das großes Interesse zurück, das die Teilprivatisierung der PKO BP als Polens größter Geschäftsbank im In- und Ausland findet. In zwei Tagen haben etwa 65 000 Kleinanleger PKO-Aktien im Wert von 1,1 Mrd. Zloty gezeichnet. "Ein Land steht Schlange für Aktien", schrieb die Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Durch den Verkauf von 30 Prozent des PKO-Kapitals erwartet das Schatzministerium Einnahmen von fünf bis sechs Mrd. Zloty.

Ausländische Investoren können bis zu 35 Prozent des Pakets erwerben, während mindestens 25 Prozent polnischen Kleinanlegern und 35 Prozent einheimischen institutionellen Investoren vorbehalten bleiben. "Am Ende werden sich auch die Papiere der Kleinanleger in den Händen ausländischer Investoren befinden", erwartet Dariusz Gorski von Deutsche Bank Securities. Die Erstnotierung an der Warschauer Börse ist für den 10. November vorgesehen. Die Regierung und die PKO BP lassen sich von ihrem Fahrplan nicht abbringen, obwohl das Parlament den Verkauf von PKO-Aktien an Ausländer verhindern will. Denn der entsprechende Beschluss des Parlaments verstößt gegen EU- Recht.

Wohlwollend sehen ausländische Investoren auch die relative Stabilität der Regierung von Premier Marek Belka. Beobachter erwarten, dass die Regierung das Vertrauensvotum am Freitag im Parlament überstehen wird. Honoriert wird besonders das Bemühen des Kabinetts, ein weiteres Ansteigen der Staatsverschuldung zu verhindern. Im Haushaltsentwurf für 2005 ist vorgesehen, das Defizit von 4,9 Prozent in diesem Jahr auf vier Prozent zu senken. Ein Teil der im Sanierungsplan von Wirtschaftsminister Jerzy Hausner vorgesehenen Sparmaßnahmen ist inzwischen vom Parlament abgesegnet worden. "In diesem und im kommenden Jahr wird die gesamte öffentliche Verschuldung die Grenze von 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten", sagte Hausner.

Die Regierung will die Staatskasse durch weitere Privatisierungen beziehungsweise Teilprivatisierungen aufbessern. Dabei geht es um den Kraftstoffkonzern PKN Orlen, den Kupferproduzenten KGHM Polska Miedz, den Gasverteiler PGNiG, weitere Chemie- und Energieunternehmen, sowie die Warschau Börse.

Aber nicht nur der polnische Kapitalmarkt liegt im Visier westlicher Investoren. Nach Einschätzung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds kann Polen in diesem Jahr mit einer Rekordsumme von acht Mrd. Dollar an ausländischen Direktinvestitionen rechnen.

 

Zurück zu den Nachrichten

News
Interessante Links

bei uns
Deutscher Mittelstand in Mittel- und Osteuropa 2004

Homepage International Impressum Disclaimer Homepage deutsch