| Wie viele Jobs in Deutschland bedroht sind |
HANDELSBLATT, 28.9.2004 ost DÜSSELDORF. Die Prognose wirkt beängstigend – zumindest auf den ersten Blick. Von der deutschen Dienstleistungsbranche dürften in den kommenden fünf Jahren bis zu 500 000 Arbeitsstellen ins Ausland abwandern, weil Unternehmen nicht nur Industrie-, sondern zunehmend auch Service-Jobs ins Ausland verlagern. Dies prophezeit die Deutsche Bank in einer aktuellen Studie. Bei genauerem Hinsehen allerdings ist die Prognose weit weniger dramatisch, als es zunächst den Anschein hat – denn bei rund 27 Millionen Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich sind gerade einmal knapp zwei Prozent aller Service- Stellen gefährdet. Außerdem: Selbst wenn deutsche Dienstleister tatsächlich im prognostizierten Umfang Jobs ins Ausland verlagern sollten, bedeutet dies noch lange nicht zwingend, dass hier zu Lande die Beschäftigung in gleichem Umfang sinkt. So lautet das Fazit einer Studie des Centre for Economic Policy Research (CEPR): Deutsche Unternehmen haben zwar durch Produktionsverlagerungen nach Osteuropa zwischen 1990 und 2001 rund 460 000 neue Jobs in der Region geschaffen – in Deutschland selbst gingen dadurch gleichzeitig aber nur rund 90 000 Arbeitsplätze verloren. "Die Beschäftigungsverluste sind so erstaunlich gering, weil die Jobs in Osteuropa nicht mit denen in Deutschland konkurrieren", betont Studienautorin Dalia Marin. Die Verlagerung von einfacher Arbeit ins kostengünstigere Ausland helfe den Unternehmen, insgesamt wettbewerbsfähig zu bleiben. Tatsache ist, dass der Trend in Richtung Ausland sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistungen anhalten wird: Fast jede zweite deutsche Firma plant in den nächsten Jahren den Sprung über die Grenze. Dies zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung Droege & Comp. sowie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie unter 980 Top-Managern. Demnach wollen 46 Prozent der Firmen in den kommenden drei Jahren ihre Produktion ganz oder teilweise nach Osteuropa oder Asien verlegen. |