Ukraine, Türkei, Rumänien: interessante Märkte für deutsche Exporteure
Bonn, den 14.01.2005. Quelle: bve-online.de
Für die exportorientierte deutsche Ernährungsindustrie ist die Erschließung neuer Absatzmärkte unabdingbar. Nach der Osterweiterung im Mai 2004 rückten die neuen Nachbarländer und die Beitrittsländer der nächsten Erweiterungsrunde in das Blickfeld des Interesses deutscher Exporteure. Auch wenn die Verbraucher dort noch über vergleichsweise geringe Kaufkraft verfügen, ist die Dynamik des Wirtschaftswachstums in diesen Ländern bemerkenswert. Prognosen rechnen für 2005 mit einem Wachstum der Wirtschaft von 7,5% in der Ukraine und 5% in der Türkei und Rumänien. Mit diesem Wirtschaftswachstum ist auch eine steigende Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln verbunden.
Das hohe ukrainische Wirtschaftswachstum basiert auf einer robusten Investitionsnachfrage im Inland, auf vorteilhaften außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und nicht zuletzt auf einem stark steigenden privaten Inlandsverbrauch. Die treibende Kraft für den Binnenkonsum ist die dem westlichen Lebensstil sehr zugewandte Mittelschicht des Landes. Eine wesentliche Rolle bei der Einschätzung zukünftiger Marktpotentiale spielt sicher auch die Tatsache, dass die Ukraine große Anstrengungen in Richtung EU-Beitritt betreibt.
Die Türkei ist mit 70,8 Mio. Einwohnern seit langem ein bedeutendes Abnehmerland für deutsche Agrar- und Ernährungsprodukte. Derzeit liegen die Marktpotentiale in den großen Städten und ihren Einzugsgebieten. Mit der Annäherung an die Europäische Union und der Weiterentwicklung sowie der schnellen Verstädterung und Modernisierung des Landes werden sich zusätzliche Absatzmärkte in der Region eröffnen. Insbesondere bei verarbeiteten Nahrungsmitteln wird es zu einer erheblichen Nachfragesteigerung kommen. Ein Sprungbrett in Nachbarmärkte bietet die Türkei durch die strategische Schlüsselstellung des Landes an der Grenze zwischen Europa und den sich ebenfalls öffnenden Ländern Asiens.
Der rumänische Lebensmittelmarkt ist trotz seines bescheidenen Volumens von 10 Mrd. USD für Exporteure von besonderem Interesse. Zwei Drittel der Nahrungsmittel auf dem rumänischen Binnenmarkt werden importiert. Die Betriebe der rumänischen Lebensmittelindustrie sind stark modernisierungsbedürftig aber die Investitionen, um die Betriebe auf den Stand der Technik zu bringen, fehlen bzw. reichen nicht aus. Hinzu kommen ein Mangel an Rohstoffen und eine nicht zuletzt auf personelle Überbesetzungen zurückzuführende geringe Arbeitsproduktivität. Dies hat zur Folge, dass sich rumänische Hersteller gegen Importe nicht durchsetzen können. Seit Mitte der 90er Jahre sind drastische Rückgänge in der rumänischen Lebensmittelproduktion von bis zu 55% zu verzeichnen. Gleichzeitig führt die anhaltende Belebung der Wirtschaft bei den Verbrauchern zu einer Steigerung der Nachfrage nach höherer Qualität und dem Wunsch nach einer besseren Präsentation der Waren.
Den Chancen stehen selbstverständlich auch Risiken bei der Erschließung dieser Märkte gegenüber. Ernsthafte Probleme bestehen in diesen Ländern beispielsweise häufig noch durch die in Gesellschaft, Wirtschaft und Bürokratie tief verwurzelte Korruption.