| Konjunktur in Mittel- und Osteuropa |
Slowakei: Auf Wachstumskurs Die slowakische Wirtschaft hat ihren Wachstumskurs im zweiten Quartal fortgesetzt. Nach vorläufigen Zahlen des nationalen Statistikamtes stieg das Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 5,1 Prozent. Damit bleibt das Wachstum auf dem hohen Niveau des ersten Quartals. Impulse gingen vor allem vom Bausektor und vom privaten Verbrauch aus. Dass die Slowaken verstärkt Geld ausgeben, liegt auch an der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt. Nachdem im ersten Quartal die Beschäftigung um 2,3 Prozent zugelegt hatte, erhöhte sie sich im zweiten Quartal um 1,2 Prozent. Im internationalen Vergleich ist die Arbeitslosequote allerdings hoch. Im Juni, neuere Zahlen liegen nicht vor, lag die Quote bei 11,1 Prozent. Positiv entwickelte sich die Preisstabilität. Die Inflation ließ in den ersten sieben Monaten des Jahres deutlich nach. Nach 7,5 Prozent im Jahr 2004 betrug sie von Januar bis Juni 2,6 Prozent. Ungarn: Wieder mehr Wachstum Die ungarische Wirtschaft ist im zweiten Quartal stärker gewachsen als erwartet. Nach vorläufigen Zahlen der nationalen Statistikbehörde kletterte das Bruttoinlandsprodukt annualisiert um 4,1 Prozent. Im ersten Quartal hatte das BIP nur um 2,9 Prozent zugelegt. Vor allem die Industrieproduktion dürfte zu der Beschleunigung beigetragen haben. Im ersten Halbjahr lag die Produktion 5,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Vor allem der kräftige Absatz im Ausland trug zur Expansion bei. Für das zweite Halbjahr sehen die Ökonomen allerdings eine Verlangsamung des Wachstums voraus. Dank der nachlassenden Inflation dürfte die Zentralbank ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten aber weiter lockern. Bereits im August überraschten die Notenbanker die Märkte, indem sie die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf mittlerweile 6,25 Prozent senkten. Damit reagierten sie auf die starke Aufwertung des Forint. Polen: Niedriger Preisauftrieb Vor den Parlamentswahlen am 25. September zeigt sich der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski großzügig. Sein Versprechen an die Bergarbeiter, die Pensionen großzügig zu regeln, löst beim obersten Zentralbanker des Landes Leszek Balcerowicz aber heftigen Widerspruch aus. Höhere Staatsausgaben könnten den Euro-Beitritt in weite Ferne rücken lassen, warnt der Banker. Immerhin scheint sich die Konjunktur wieder leicht zu erholen. Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich um 2,8 Prozent zu, nachdem es im ersten Quartal um 2,1 Prozent gewachsen ist. Die Zentralbank dürfte die Erholung mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik begleiten. Dafür sprechen nicht zuletzt die geringen Preissteigerungen. Seit Ende 2004 ist die Inflationsrate von 4,4 Prozent auf 1,3 Prozent im Juli gefallen. Im selben Zeitraum nahm die Notenbank den Leitzins schrittweise um zwei Punkte auf 4,5 Prozent zurück. Tschechien: Druck auf Krone Schon seit April liegen die Zinsen in Tschechien unter dem Niveau der Euro-Zone. Mit dem Rekordtief reagierte die Notenbank auf den Aufwertungsdruck ihrer Währung, ein Phänomen, das auch den anderen EU-Neumitgliedern zu schaffen macht. Aufgehalten wurde die Aufwertung aber nur bis zur vergangenen Woche. Seitdem ist die Krone wieder so viel wert wie seit 2002 nicht mehr. Die neue Stärke dürfte vor allem die Exportwirtschaft belasten. Im ersten Halbjahr hatte der Außenhandel noch einen entscheidenden positiven Einfluss auf das Wachstum. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Ausfuhren im zweiten Quartal um 2,1 Prozent zu, während die Einfuhren um 3,8 Prozent fielen. Gleichzeitig entspannte sich im ersten Halbjahr die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich. Von Januar bis Juli fiel die Arbeitslosenquote um einen Prozentpunkt auf 8,8 Prozent. 2004 war die Quote zeitweise auf die Rekordmarke von 10,8 Prozent geklettert. |
Quelle:
WIWO 8.9.05