Wachstum in der Slowakei bleibt stark |
BRATISLAVA (Dow Jones)--Trotz der jüngsten politischen Turbulenzen um die Entlassung des als reformfreudig bekannten Wirtschaftsminister Pavel Rusko ? der positiven Entwicklung in dem Reformland hat diese Entwicklung bislang nicht geschadet. Besonders dynamisch zeigt sich derzeit die Bauwirtschaft, wo sich auch Chancen für deutsche Investoren bieten. Der derzeitige Boom in der Baubranche ist nach einer aktuellen Länderstudie der Bank Austria Creditanstalt vor allem auf die Realisierung umfangreicher Infrastrukturmaßnahmen zurückzuführen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Errichtung großer neuer Produktionsstätten für die Automobilindustrie, an ausländische Großinvestoren beteiligt sind. Das Wachstum der slowakischen Bauindustrie hat im ersten Quartal im Jahresvergleich um 15%, im zweiten Quartal sogar um 20% zugelegt. Die Dynamik in der Bauwirtschaft ist damit sogar dabei, jenes von Industrie und Einzelhandel zu überflügeln. Gleichwohl zeigen aber auch die Einzelhandelsumsätze nach Angaben des Bankhauses einen positiven Trend. Auch in diesem Bereich können ausländische Investoren profitieren. Schon im ersten Quartal nahmen die Einzelhandelsumsätze um 9,4% zu und hielten diese Dynamik auch im Mai (9,6%) und Juni (7,2%). Dahinter steckt nicht nur eine günstige Entwicklung der Reallöhne, sondern auch der fortgesetzte Rückgang der Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenrate ist seit Beginn des Jahres um rund zwei %punkte von 13% auf 11% zurückgegangen. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2004 verringerte sie sich von 16,5% auf 13,5%. Zur Konsumfreude der Slowaken trägt derzeit auch die Tatsache bei, dass sich die Teuerung bei den Verbraucherpreisen im Juli deutlich auf 2% abgeschwächt hat. Ein gewisser Unsicherheitsfaktor liegt hier aber nach Einschätzung der Experten bei den administrierten Preisen, da der marktbeherrschende Gasversorger SPP angekündigt hat, ab Oktober die Erdgaspreise für private Haushalte wegen der hohen Rohölpreise um 22% anzuheben. Der slowakische Außenhandel bewegt sich derzeit ebenfalls auf der Überholspur: Im Juni überraschten die Außenhandelsergebnisse mit einem dicken Plus: Mit 16% auf Jahres- und Eurobasis lag das Exportwachstum nicht nur fast doppelt so hoch wie jenes der Importe, sondern erholte sich zudem deutlich von den relativ schwachen Zuwächsen in den beiden Monaten zuvor. Bemerkenswert war hier nach Angabe der BA-CA-Experten das anhaltend robuste Exportwachstum der Engineering- Branche, die einen historischen Ausfuhrüberschuss erzielten. Im weiteren Jahresverlauf, insbesondere im vierten Quartal, sollte die Exporte mit dem Anlaufen der neuen Produktionslinie bei Volkswagen in Bratislava zusätzlich an Dynamik gewinnen. Eva-Maria Vochazer, Dow Jones Newswires |
Quelle:
dow jones news